• Stimme

    Chips vorm Sprechen? Unbedingt!

    Diesen Rat wirst Du niemals von einer Stimmtrainerin hören. Denn Chips, begleitet von Nüssen, Schokolade & Co, gehören auf die Schwarze Liste. Zumindest, wenn es ums Sprechen vorm Publikum geht. Letzten Samstag hatte ich die schwierigste Aufgabe meiner jungen Sprecherin-Karriere und ich muss gestehen: ich hätte sie ohne „Geriffelt mit Sour Cream“ nicht hinbekommen.

    Vorgeschichte

    Ich lag im Bett und zählte alle möglichen Gründe auf, warum ich diese Audio Aufnahmen doch lieber verschieben sollte:

    • Ich hatte eine 4 stündige Theaterprobe hinter mir (Schwitz)
    • Eine Wohnung-Aufräum-Aktion ( wo kommt dieses Zeug nur her?)
    • Einen Familien-Wocheneinkauf mit Kind (nie wieder am Samstag)
    • Kind ins Bett bringen (Bloß nicht selbst einschlafen!)
    • Eine Diskussion darüber, wer was bestimmen darf und warum (mäßig erfolgreich)

    Ein gesunder Menschenverstand wäre an dieser Stelle sofort eingeschlafen. Der berühmte Satz von Scarlet O’Hara  (Ich werde morgen darüber nachdenken) hätte die letzten Schatten des schlechten Gewissens verjagt. Doch dann kam das ominöse Wort Deadline und rüttelte mich wach aus dem Halbschlaf.

    Eingebung

    Um das Computer Programm und mich selbst hochfahren zu können, brauchte ich dringend irgendetwas Motivierendes, Unvernünftiges und Genussvolles – ich sah den Familien Wocheneinkauf in der Küche schlummern. Meine Hand griff unbeirrt zu „Geriffelt mit Sour Cream“.

    Die Vorstellung, dass ich eine Packung Chips:

    • Nach 22 Uhr
    • Ganz allein
    • In der Dunkelheit

    vertilgen werde, und niemand aus meiner Familie wird es je erfahren, versetzte mich in eine euphorische Stimmung.

    Während der Aufnahmen hatte ich viele spontane Ideen. Nach 2-3 Takes grinste ich zufrieden mein Mikro an. Und da ich schon völlig in einem kreativen Prozess steckte, bastelte ich noch ein Lesezeichen für einen Freund und schrieb das ganze hier mit der Hand auf. Warum?

    Message

    Es gibt Do’s und Don’ts und es gibt Stimme und Stimmung.
    Ohne die letztere wirst Du niemals andere begeistern und mitreißen können. Keine ausgefeilten TED-Talk Tricks werden Dich zum Speaker Rockstar machen, wenn du müde, apathisch oder verärgert auf der Bühne stehst.

    Bring Dich in Stimmung!
    Mach etwas, was Du sonst nie machen würdest!
    Bereite Dir selbst eine Freude!

    Und dann kannst Du raus gehen und sprechen!

    – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

    Wie bringst Du Dich in gute Stimmung?
    Schreib in die Kommentare!

    Bist Du bereits in Stimmung für das erste kostenlose Beratungsgespräch?
    Dann hier, bitte 🙂

     

     

  • Stimme

    Kompetente Wirkung durch schnelles Sprechen?

     

    „Julia, muss ich schnell sprechen, um kompetent zu wirken?“ – fragte mich neulich ein Kunde während des Stimmtrainings. „Ich habe es so in einem Buch gelesen“. Ob ich damit einverstanden wäre. Oha, er hat es so in einem Buch gelesen. Müsste dann stimmen, oder? Schließlich hat sich der Autor bestimmt paar Gedanken darüber gemacht. Blöderweise hatte ich das genannte Buch nicht dabei und konnte nicht nachgucken, wie genau es geschrieben war. Es ist letztendlich auch egal. Denn was im Kopf hängengeblieben ist (zumindest bei meinem Kunden): schnelles Sprechen = Kompetenz. Und nein, ich bin damit keineswegs einverstanden.

    Hier kommen 3 Gründe für mein „Nein“:

    Grund 1: 

    Schnelles Sprechen ist in bestimmten Situationen von Vorteil. Mir fällt da sofort eine Gerichtsszene aus The Devil’s Advocate ein. Bei einer Power Point Präsentation wäre es wiederum nicht so angebracht. Bei einem Kundengespräch genauso wenig.

    Vor ein paar Jahren erwischte mich ein Stromanbieter am Telefon. Ich höre mir so was zwischendurch gern an, um zu schauen, wie Leute trainiert werden. Ab dem Moment, wo die Stimme nur Daten und Fakten runtergerattert hat, konnte ich nicht mehr aushalten. Sie haben mich als potenzielle Kundin für immer verloren.

     

    Grund Nummer eins

     

    Wenn wir überzeugen wollen, sprechen wir oft schneller. Doch wie schnell ist dieses „schneller“:  1,6  oder 0,33 Sekunden? Leider kenne ich noch keine App, die ein maßgeschneidertes  Tempo für eine kompetente Rede vorgibt. Und überhaupt: von welcher Situation ist die Rede? Wollen wir überzeugen? Informieren? Wissen vermitteln? Motivieren und begeistern? Oder wollen wir verhandeln?

     

    Grund 2: 

    Schnelle Motorik ist nur eine Komponente unserer Persönlichkeit.
    Mein Körper, meine Ausstrahlung, meine Gedankendramaturgie, mein Kontakt zu den Zuhörern  – wenn das alles stimmt, kommen meine Sätze in einem natürlichen Fluss raus.

     

    Grund Nummer zwei

     

    Wenn Körper und Worte nicht übereinstimmen, bin ich als Zuhörer überfordert. Und werde eher der Körpersprache mein Glauben schenken. Sprechen ohne Punkt und Komma wird uns da nicht weiterbringen.

     

    Grund 3:

    Wenn Du „X“ willst, dann musst Du „Y“ machen – bei solchen Sätzen werde ich immer skeptisch.
    Ein Frühstücksei wird auf 9 bis 39 Wegen zubereitet. Wie kann es also eine Formel für alle Menschen geben, wenn es um kompetente Wirkung geht?

    Grund Nummer drei

    In vielen Trainings wird der Wenn → Dann Satz benutzt:

    • wenn Du mit einem Witz beginnst…
    • wenn Du nur links von der Mitte stehst…
    • wenn Du Deinen Arm so bewegst…

    Leere und „gemachte“ Public Speaking Tricks werden schnell erkannt. Vielleicht hast Du schon einen Specher erlebt, dem „ganz spontan“ etwas einfallt. Wie hat er auf Dich gewirkt? Für mich sieht es nach einem einstudierten Fahrplan aus…

    Kompetente Wirkung

    Kompetent zu wirken ist grundsätzlich eine tolle Sache. Und gerade für Führungskräfte ein Muss. Ich würde mich am Anfang eher fragen, wie wirke ich generell?

    • Wie nehmen mich meine Freunde, meine Familie und Menschen im Supermarkt wahr?
    • Mit welcher Körperhaltung sitze ich im Online Meeting?
    • Wie grüße ich jemanden auf der Straße?
    • Wie halte ich meinen Kopf, wenn ich durch IG scrolle?
    • Wie stehe ich beim Zähneputzen?

    Die scheinbar unwichtige Gewohnheiten prägen unser Verhalten. Und in Stresssituation (Sprechen vorm Publikum) verfallen wir in festgefahrene Muster. Da kann ich noch so viele Bücher über Persönlichkeitsentwicklung lesen  – wenn ich mich selbst nicht kenne, kann ich meine Wirkung schlecht beeinflußen. 

    So viel zum Thema Kompetente Wirkung durch schnelles Sprechen.
    Nächste Woche treffe ich den Kunden wieder – dann weiß ich, welches Buch er gemeint hat. Bis dahin wünsche ich Dir schöne Gedankenbögen und Mut zur  Pause!

    Was bedeutet „Kompetente Wirkung“ für Dich?
    Hinterlass mir einen Kommentar!

    …………………………………………………………………………………

    Seit Jahren beschäftige ich mich mit Stimme und Ihrer Wirkung. 
    Warum ich diese Arbeit so liebe erfährst Du in diesem Artikel.

    Wünschst Du Dir mehr Wirkung und Freiheit beim Sprechen?
    Schreib mir eine Nachricht und vereinbare ein kostenloses Erstgespräch mit mir! 

    Wir lesen uns bald, stay safe and sound!

    Julia

     

     

     

     

  • Stimme

    Warum ich Stimmarbeit liebe

    Warum ich Stimmarbeit liebe? Diese Frage stellte ich mir bei der Challenge „BoomBoomBlog“ von Judith Peters aka Sympatexter. Um die Antwort zu finden, musste ich mich mit meiner eigenen Geschichte auseinandersetzten. Mit meiner Kindheit, meinem Beruf, meinem Leben. Was ist Stimmarbeit? Was hat sie mit unserer Identität zu tun? Besitzen wir alle eine Superpower? Bist Du neugierig geworden? Dann viel Spaß beim Lesen!

    Meine Geschichte

    Ich wurde von Ärzten als taubstumm abgestempelt. Gleich nach der Geburt. Doch die Diagnose stimmte nicht ganz. Die ersten zwei Jahre litt ich unter großen Ohrenschmerzen. Ich schrie ununterbrochen und bekam täglich Behandlungen. Fünf Jahre später sang ich im Kindermusical. Zwölf Jahre später spielte ich Klavier. Zwanzig Jahre später sprach ich drei Sprachen. Heute spiele ich Theater und gebe Stimmtraining. Ich beschäftige mich mein ganzes Leben lang mit Stimme.
    Allen Ärzten zum Trotz.

    Ich mit 3,5 Jahren

    In meiner Kindheit wurde immer gesungen und erzählt: Gute-Nacht-Geschichten von meiner Oma. Selbstgeschriebene Gedichte von meinem Opa. Ich wurde von der singenden Stimme meiner Mutter geweckt und in den Schlaf gewogen. Mit meinem Papa sang ich „Beatles“ und „Deep Purple“. Wenn die Großfamilie mit dem Abendessen fertig war, gab es Gesang als Nachtisch. Von meiner Oma angestimmt sang Jung und Alt russische Volkslieder. Einfach so. Ohne Begleitung und Liederbücher.
    Mit neun bekam ich eine schlimme Erkältung. Ich verlor meine Stimme. Mein Gefühl der Machtlosigkeit war so groß, dass ich dachte, ich musste sterben. Ich stellte mich vor, ich wäre Ariel, die Meerjungfrau. Und die böse Hexe hätte meine Stimme gestohlen. Nach paar Wochen ging es mir dann besser. Meine Stimme war wieder bei mir. Ich konnte meine Wünsche und Pläne mitteilen, mitdiskutieren und singen. Ich konnte wieder ich sein.

    Warum ich Stimmarbeit liebe? Weil ich in Verbindung mit mir selbst bin.

    Stimme und Wahrheit

    Be-stimmt!

    „Ich habe Dich an Deiner Stimme erkannt“, hörte ich neulich.
    Klar, Stimme ist unsere Eigenmarke. Sie ist eng mit unserer Persönlichkeit verbunden. Unsere Stimme spiegelt unsere innere Welt wieder und bringt unsere Emotionen zum Ausdruck. Ein lächelndes Baby, ein flauschiges Kätzchen und ein Lieblingssong rufen automatisch stimmliche Reaktionen hervor.
    Oder auch nicht.
    In unserer Kindheit lernen wir uns anzupassen. Wir lernen brav zu sein, damit wir das bekommen, was wir brauchen. Das wahre Ich zu zeigen wird zur Mutprobe. Denn wir werden oft dafür bestraft. Oder bekommen im besten Fall keine Süßigkeiten. Wir sprechen mit einer zu hohen oder zu tiefen Stimme. Wir lernen leise zu sein. Und nicht zu weinen.

    Mein wahres Ich?

    Und dann sagen wir Sätze wie „Ich kann meine eigene Stimme nicht hören“ oder „Ich mag meine Stimme nicht“. Wir können uns nicht akzeptieren. Wir sind uns selbst fremd. Wir kennen nur das Angepasste, und das erscheint uns dann als nicht stimmig.
    Und jetzt kommen die drei „W“-Fragen:

    1. Wie können uns andere annehmen, wenn wir uns selbst ablehnen?
    2. Wie können wir andere überzeugen, wenn wir selbst zweifeln?
    3. Wie können uns andere vertrauen, wenn wir uns verstellen?

    Ich liebe Stimmarbeit, weil es um das Wahre geht.
    Wie bei einer Liebeserklärung. 100 % und volle Kanne.
    Ich liebe es zu sehen, wie Menschen zu ihrem wahren Kern wiederfinden. Wie sicher und kraftvoll sie dem Leben gegenüber treten.

    Stimme und Superpower

    Die Superpower

    2018 bin ich zurück in Russland mit meinem 2-jährigen Sohn. Er ist überfordert, müde und schreit wie am Spieß. Kuscheln hilft nur mäßig, Erklärungen gar nicht. Meine Schwester fängt an zu singen. Es ist ein leises Wiegenlied, das ich nicht kenne. Das Kind gibt paar Schluchzer vor sich hin. Zehn Sekunden später schläft es friedlich in meinem Arm. Warum bin ich nicht selbst darauf gekommen?
    Es gibt unzählige Märchen, in denen Zaubersprüche oder Gesang eine entscheidende Rolle spielen. Auch im wirklichen Leben scheint Stimme magische Kräfte zu besitzen. Wir sagen:

    • Ich bin verzaubert von ihrer Stimme!
    • Wie heißt das Zauberwort?
    • Du bist eine Pferdeflüsterin!

    Stimme als Superpower? Ja! Unsere Stimme ist da, um uns zu tragen, zu beschützen und zu ermutigen.
    Wenn ich nachdenke, summe ich.
    Wenn ich nicht weiterweiß, singe ich das berühmte Dori-Lied („einfach schwimmen…“)
    Wenn ich mich freue, hört das die ganze Nachbarschaft.
    Wenn ich traurig bin, singe ich Liebeslieder.
    Wenn ich Geburtstag habe, sitze ich am liebsten mit Freunden und Familie am Feuer. Und wir singen. Stundenlang. Oft sind das ausgedachte Songs, die die momentane Stimmung beschreiben. Ein besseres Geschenk kann ich mir nicht vorstellen.

    Gemeinsam singen

    Wenn ich eins mit meiner Stimme bin, kann mir nichts passieren. Weder beim Public Speaking noch an der Kasse im Supermarkt. Sie ist meine Superpower. Sie ist immer bei mir.

    Warum ich Stimmarbeit liebe? Weil Stimme eine Superpower ist.
    Mit der Stimme verbinden wir uns mit den anderen. Wir erzählen, überzeugen, lieben und streiten mit ihr. Diese Superpower ist immer da. Wir müssen sie nur aktivieren.

    Was ist Stimmarbeit?

    Aufnahmen für „InnerJoy“

    „Stimmarbeit? Ist das sowas wie Stimmtraning?“ – ja, aber nicht nur. Wir können uns natürlich auf Lautbildung, Artikulation und Melodieführung fokussieren. Doch es steckt viel mehr dahinter. „Freeing the natural voice“ sagte Kristin Linklater. Die natürliche Stimme befreien. Das ganze Potenzial der Stimme nutzen . Nach Kristin Linklater kommen wir mit einer Stimme zur Welt, die alle Emotionen ausdrücken kann und einen Umfang von bis zu 4 Oktaven hat.
    „Aber Julia, ich bin doch keine Künstlerin“, höre ich von einer Kundin, „ich habe gar kein Bedürfnis nach Selbstausdruck!“ Ist das wahr? Oder wurde dieses Bedürfnis früher immer unterdrückt? Ich kenne kein Baby, das nicht lautstark seine Bedürfnisse kundgibt. Die Freude an der Mitteilung bei einem Kleinkind ist überschwänglich. Es ist in uns drin. Wir müssen es nur (wieder)finden. Und ja, es hat sehr viel mit Kontrolle abgeben zu tun.

    • Was ist meine natürliche Stimme?

    Mit dieser Frage beginnt das schönste Abenteuer namens Stimmarbeit.

    Nach einem Online Training (2020)

    Warum ich Stimmarbeit liebe? Weil ich andere bei deren Entwicklung unterstützen kann. Eigene Ideen werden bei der Gruppendiskussionen verteidigt. Direkte Kommunikation wird zum Freund. Wir leben unsere Wahrheit, verzaubert und kraftvoll.

    BoomBoomBlog Challenge

    Warum ich Stimmarbeit liebe? – diese Frage wird mich ab jetzt immer beschäftigen.
    Danke an Judith Peters für den Anstoß. Und auch an meine Mentorin Susanne Eggert , ohne die ich niemals Stimmtrainerin geworden wäre.
    Fortsetzung folgt.

%d Bloggern gefällt das: